Hilfe, mein Kind hat jetzt ein Smartphone! Medienerziehungstipps für Eltern an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule

22 November 2018 Sven Holland Aktuelles

(Foto: Fotolia.de © Minastefanovic)

Ein Smartphone ist aus dem täglichen Leben eines Jugendlichen nicht mehr wegzudenken.  Die JIM-Studie (Jugend, Information und (Multi)Media) 2017 belegt das in Zahlen. 2014 hatten schon 88 % der Jugendlichen (12-19 Jährige) in Deutschland ein Smartphone, 2017 waren es sogar 97 %. Die aktuellste KIM-Studie (Kinder, Information und (Multi)Media) aus dem Jahr 2016 zeigt auf, dass 50 % der Kinder (6-12 Jährige) in Deutschland ein Handy bzw. Smartphone besitzen. Die Experten sind sich allerdings einig, dass diese Zahl sich in den letzten 2 Jahren drastisch verändert hat. Das Smartphone wird zunehmend auch in der Grundschule ein Thema, da die Kinder heute schon sehr früh zu Hause in einem geschützten und zeitlich begrenztem Raum Medien ganz selbstverständlich nutzen und bedienen. Doch Medienkompetenz bedeutet nicht nur zu wissen, welche Tasten man drücken muss.

Das Land Baden-Württemberg reagierte auf diesen Wandel u.a. mit dem im Bildungsplan 2016 verankerten neuen Fach Medienbildung für Klasse 5. In 35 Stunden bekommen die Kinder eine Art Grundkurs zum Erwerb von Medienkompetenz. Die DBS geht mit ihrem Bildungsangebot zu Medienkompetenz noch einen Schritt weiter: Neben einer hervorragenden technischen Ausstattung, einer Tablet-Klasse und dem Angebot eines zusätzlichen Informatikkurses in Klasse 8, werden an der DBS auch Schüler zu Medienscouts ausgebildet. Für dieses Engagement im digitalen Bereich wurde die DBS im letzten Schuljahr mit dem Zertifikat „Digitale Schule“ ausgezeichnet.
Außerhalb der Schule sind und bleiben es aber die Eltern, die vornehmlich Ansprechpartner ihrer Kinder sind und so bilden sie, neben unserem vielfältigen schulischen Angebot, einen wesentlichen Baustein, damit wir eben nicht nur anwendungskompetente Kinder, sondern auch medienkompetente Kinder erziehen.

Um diese Aufgabe im Privaten zu meistern, reicht es leider nicht, die entsprechenden Geräte mit „Kindersicherungen“ auszustatten und den WLAN-Zugang einzuschränken, sondern die Eltern müssen „up to date“ sein. Sie müssen wissen, was ihre Kinder eigentlich die ganze Zeit mit ihrem Smartphone machen und welche Gefahren die jeweilige Nutzung mit sich bringt.

Genau deshalb bietet die DBS nun schon im zweiten Jahr einen Medien-Elternabend an.
Dieses Jahr wurde der Elternabend von Sven Holland gehalten, Geschäftsführer der Weinheimer Jugendmedien. Herr Holland hatte im letzten Jahr sein Projekt „Medienlotse“ an unserem ersten Medien-Elternabend an der DBS vorgestellt. Im Rahmen dieses Projektes stellen die Weinheimer Jugendmedien einen Medien-Ratgeber für Eltern bereit und sind somit nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Eltern aktiv.

Der Informationsabend am 8. November 2018 wurde von Herrn Holland mit einem kleinen Test begonnen, indem er abprüfte, ob die Eltern die gängigsten App-Symbole kennen. Trotz der großen Zahl an Apps ist die Lieblings-App aller Kinder und Jugendlichen nach wie vor unangefochten YouTube, gefolgt von WhatsApp, Instagram und Snapchat (JIM-Studie 2017). Bevor die Eltern viele nützliche Informationen über jede dieser App erfuhren, sollten diese ihre tägliche private Nutzungsdauer selbst einschätzen und sich dem entsprechenden Zeitfenster zuordnen. Hier trat schon die erste Herausforderung zu Tage: Wir Erwachsenen verbringen selbst viel Zeit an unserem Smartphone, im Schnitt ca. 1,5 Stunden am Tag.

Die nächste Herausforderung wurde mit der sogenannte USK – Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle – angesprochen. Wie bei Filmen, gibt es für die Apps eine Altersempfehlung. Einige Apps sind erst für 13-Jährige freigegeben, wie z.B. Instagram, Snapchat und TikTok (ehemals musical.ly). Zur Nutzung anderer Apps sollte man 16 Jahre alt sein, wie z.B. WhatsApp, Youtube und Twitter. Viele Kinder haben jedoch Apps auf ihrem Smartphone, die nicht der USK entsprechen. Prominentester Vertreter hierfür ist in vielen Fällen: WhatsApp. Man kommt als Eltern fast nicht umhin, dem eigenen Kind die Nutzung von WhatsApp zu gestatten. Genau deshalb ist es jedoch von großer Bedeutung, dass Eltern ihren Kindern erklären, wie sie diese App nutzen dürfen und was absolut tabu ist. Denn – was viele nicht wissen – hier gilt dasselbe Prinzip wie auf den allgemein bekannten Baustellenschildern: Eltern haften für Ihre Kinder.

Den Eltern mindestens dem Namen nach bekannt waren die nächsten, bei Jugendlichen sehr beliebten Apps, die Herr Holland vorstellte: Snapchat, Instagram, TikTok und das Onlinespiel Fortnite. Die Eltern erhielten so einen Einblick in die digitale Lebenswelt der Kinder, und bekamen anschließend ganz konkrete Tipps zum Umgang mit diesen Apps und den jeweiligen Sicherheitseinstellungen, um die potentiellen Gefahren möglichst klein zu halten. Die Sicherheitseinstellungen der Apps schützen in erster Linie die Privatsphäre der Kinder. Diese Einstellungen bewahren die Kinder jedoch nicht vor falsch verstandenen Emojis der Freundin, oder den Kettenbriefen, die man an alle Freunde weiterschicken soll und die meistens von sehr fraglichem Inhalt sind, oder vermeintlichen Gewinnspielen oder Fake-Werbung. Ein ganz wesentlicher Aspekt der Medienerziehung ist deshalb, die mediale Welt gemeinsam mit den Kindern zu entdecken und mit den Kindern im Gespräch zu bleiben, so der Appell von Herrn Holland.

Natürlich bleibt es den Eltern auch unbenommen, bestimmte Apps ihren Kindern nicht zu erlauben. Und auch wenn sicherlich immer wieder gute Nerven gefragt sind, um die immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen zu überstehen, lohnt es sich standhaft zu bleiben, wenn man der Überzeugung ist, dass genau diese App für das eigene Kind (noch) ungeeignet ist. Um als Eltern überzeugende Argumente zu liefern, muss allerdings bekannt sein, worum es in der App geht und warum das Kind noch warten muss, bis es diese App nutzen darf. In jedem Fall sollte nicht einfach jede App ungesehen auf das Smartphone des Kindes gespielt werden. Und bei der Standardphrase Alle aus meiner Klasse dürfen, nur ich nicht lohnt es sich in jedem Fall, bei anderen Eltern nachzufragen. Meist stellt sich heraus, dass es sich bei ALLE doch nur um ein bis zwei Mitschüler handelt.

Kinder medienkompetent zu machen, darin sind sich die Experten einig, funktioniert nicht, indem man die Nutzung neuer Medien rigoros verbietet. Vielmehr wird von den Eltern ein großes Maß an Eigeninitiative gefordert, um einen verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Medien bei und mit ihren Kindern zu erreichen. Und dabei sind nicht zuletzt die Eltern die wichtigsten Vorbilder bei der Nutzung der digitalen Medien.

Sven Holland stellte den Eltern freundlicherweise eine Link-Liste mit hilfreichen Tipps zur Verfügung, welche auf der Homepage der DBS abrufbar ist. Außerdem verwies er auf die informativen Medienelternbriefe, die für jedes Kindesalter angeboten werden, einsehbar unter: www.schau-hin.info/service/downloads.html

(Bericht: Vera Rotta, Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Weinheim)